Kostenloser Versand ab 10 kg

Der ultimative Guide zu Kaffeebohnen: Alles über Arabica, Robusta und die Reise von der Planatge bis zum perfekten Genussmoment

14. Februar 2026

|

Der ultimative Guide zu Kaffeebohnen: Alles über Arabica, Robusta und die Reise von der Planatge bis zum perfekten Genussmoment

Kaffee ist in der Schweiz weit mehr als nur ein Getränk zur blossen Koffeinaufnahme. Er ist ein Kulturgut, ein morgendliches Ritual, das den Tag strukturiert, und oft der Kitt, der soziale Interaktionen zusammenhält – sei es bei einer schnellen Espressopause oder einer gemütlichen «Schale» am Sonntagmorgen. Doch während wir alle wissen, wie unser Lieblingskaffee schmecken soll, bleibt das Wissen über das Naturprodukt selbst – die Kaffeebohne – oft an der Oberfläche.


Als traditionsreiche Röstmeister aus Birsfelden, die seit 1932 mit Leidenschaft und Hingabe Kaffeebohnen veredeln, möchten wir dieses Wissen mit Ihnen teilen. Wir laden Sie ein, tief in die Materie einzutauchen. In diesem ultimativen Guide beleuchten wir nicht nur die offensichtlichen Unterschiede zwischen Arabica und Robusta, sondern dringen tief in die Botanik, die Anbaugebiete und die chemischen Prozesse der Röstung vor. Wir erklären Ihnen, warum manche Bohnen nach Nüssen und andere nach Beeren schmecken und warum die Art der Aufbereitung über Säure und Süsse entscheidet.

Machen Sie es sich bequem, schenken Sie sich eine Tasse Ihres Lieblingskaffees ein und begleiten Sie uns auf dieser faszinierenden Reise durch die Welt der Coffea.

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Botanik: Der komplexe Aufbau der Kaffeekirsche
  2. Coffea Arabica: Die anspruchsvolle Diva aus dem Hochland
  3. Coffea Canephora (Robusta): Die verkannte Kraftvolle für die perfekte Crema
  4. Arabica vs. Robusta: Ein detaillierter Vergleich der Giganten
  5. Exkurs: Raritäten, Mythen und Spezialitäten (Liberica, Maragogype, Kopi Luwak)
  6. Terroir & Anbau: Warum die Herkunft den Charakter bestimmt
  7. Ernte & Aufbereitung: Der Weg vom Feld zur Rohbohne
  8. Die Röstung: Das Herzstück der Veredelung (Trommel- vs. Industrieröstung)
  9. Mischverhältnisse: Die Kunst der Blends vs. Single Origins
  10. Gesundheit & Inhaltsstoffe: Was steckt wirklich in der Bohne?
  11. Nachhaltigkeit: Warum Bio und Fairtrade für uns kein Trend sind
  12. Lagerung: So bewahren Sie die Frische
  13. Fazit: Finden Sie Ihren persönlichen Kaffeefavoriten

1. Die Botanik: Der komplexe Aufbau der Kaffeekirsche

Um Kaffee wirklich zu verstehen, müssen wir uns zunächst von dem Begriff «Bohne» lösen. Botanisch gesehen handelt es sich bei dem, was wir mahlen und aufbrühen, nämlich gar nicht um eine Hülsenfrucht, sondern um den Samen einer Steinfrucht. Die Kaffeepflanze (Coffea) gehört zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae), einer der grössten Pflanzenfamilien überhaupt.

Die Anatomie der Kaffeekirsche

Wenn Sie eine reife Kaffeekirsche vom Strauch pflücken würden, hielten Sie eine meist rote, manchmal auch gelbe Frucht in der Hand, die in ihrem Aufbau komplexer ist, als es von aussen scheint. Sie besteht aus mehreren Schichten, die alle eine Schutzfunktion für den kostbaren Samen erfüllen:

  1. Exokarp (Fruchthaut): Die äussere, glänzende Haut, die sich während der Reifung von Grün über Gelb zu einem satten Rot verfärbt.
  2. Mesokarp (Fruchtfleisch/Pulpe): Eine zuckerhaltige, schleimige Schicht, die den Geschmack der Bohne während der Aufbereitung massgeblich beeinflussen kann. Sie schmeckt fruchtig süss, ist aber sehr dünn.
  3. Endokarp (Pergamenthaut): Eine hornartige Schale, die die Bohnen direkt umschliesst und sie vor äusseren Einflüssen schützt.
  4. Silberhäutchen: Eine extrem dünne Samenschale, die direkt auf der Bohne sitzt. Beim Rösten löst sich dieses Häutchen oft und wird als Spreu abgetrennt.
  5. Der Samen (Endosperm): Das eigentliche Herzstück – die Kaffeebohne.

In der Regel befinden sich im Inneren der Kirsche zwei Samen, die mit ihren flachen Seiten zueinander liegen. Eine faszinierende Laune der Natur ist die sogenannte Perlbohne. Hierbei entwickelt sich nur ein einziger, rundlicher Samen in der Kirsche. Diese Perlbohnen werden oft separat aussortiert, da sie aufgrund ihrer Form ein anderes Röstverhalten an den Tag legen und oft ein besonders konzentriertes Aroma besitzen.

Die Gattung Coffea umfasst mittlerweile über 124 bekannte Arten. Doch für uns Geniesser sind primär zwei Arten von wirtschaftlicher Relevanz, die zusammen etwa 99 % des Welthandels abdecken: Coffea Arabica und Coffea Canephora (Robusta).

2. Coffea Arabica: Die anspruchsvolle Diva aus dem Hochland

Die Arabica-Bohne (Coffea Arabica) wird oft als die Königin unter den Kaffeesorten bezeichnet. Sie dominiert den Weltmarkt mit einem Anteil von ca. 60 bis 70 %. Ihre Geschichte reicht weit zurück – ihr Ursprung liegt im äthiopischen Hochland, in der Region Kaffa, wo sie auch heute noch wild in den Bergregenwäldern wächst.

Ein sensibles Gewächs

Arabica ist botanisch gesehen ein Selbstbestäuber, was die Sortenreinheit begünstigt, aber sie ist auch eine echte „Diva“ im Anbau. Sie stellt hohe Ansprüche an ihre Umgebung:

  • Höhenlage: Sie gedeiht am besten in Höhen zwischen 600 und 2.300 Metern über dem Meeresspiegel. Daher rührt auch die Bezeichnung „Hochlandkaffee“.
  • Temperatur: Die ideale Durchschnittstemperatur liegt konstant zwischen 18 und 22 Grad Celsius. Sie verträgt weder Frost noch extreme Hitze.
  • Klima: Arabica benötigt ein ausgewogenes Verhältnis von Regen und Sonne und bevorzugt oft schattige Plätze, um nicht unter direkter Sonneneinstrahlung zu verbrennen.

Durch das kühlere Klima in den Höhenlagen reifen die Kaffeekirschen langsamer. Das ist entscheidend für die Qualität: Die Pflanze hat mehr Zeit, komplexe Zuckerverbindungen und Aromastoffe in der Bohne einzulagern. Arabica-Bohnen besitzen zudem 44 Chromosomen (doppelt so viele wie Robusta), was zu ihrer enormen genetischen und aromatischen Vielfalt beiträgt.

Das Geschmacksprofil

Arabica-Kaffees zeichnen sich durch ein differenziertes, feines und oft blumiges oder fruchtiges Aroma aus. Sie besitzen eine lebendige, aber angenehme Säure, die dem Kaffee Struktur verleiht. Der Koffeingehalt ist mit ca. 1,1 bis 1,7 % vergleichsweise moderat.

Varietäten der Arabica: Innerhalb der Art Arabica gibt es zahlreiche Varietäten, ähnlich wie bei Weintrauben oder Äpfeln. Zu den bekanntesten gehören:

  • Typica & Bourbon: Die Ur-Varietäten, bekannt für exzellente Qualität und Süsse.
  • Caturra & Catuai: Beliebte Züchtungen aus Südamerika.
  • Geisha: Eine absolute Spitzenvarietät, ursprünglich aus Äthiopien, die für ihre extrem blumigen und jasminartigen Noten Höchstpreise erzielt.

Unsere Empfehlung: Möchten Sie die reine Eleganz der Arabica erleben? Unser Bio Bravo Kaffee (hell) ist ein 100% Arabica aus Peru und Mexiko. Durch die helle Röstung kommen die feinen, nussigen Nuancen und das milde, volle Aroma perfekt zur Geltung.

3. Coffea Canephora (Robusta): Die verkannte Kraftvolle für die perfekte Crema

Lange Zeit wurde Robusta (Coffea Canephora) als der „hässliche Bruder“ der Arabica behandelt, oft degradiert zu Füllmaterial für billige Supermarkt-Mischungen. Doch dieses Bild wandelt sich – und das zu Recht! Ein hochwertiger Robusta kann geschmacklich weitaus spannender sein als ein minderwertiger Arabica.

Widerstandsfähigkeit als Programm

Der Name ist Programm: Diese Pflanze ist robust. Ursprünglich im Tiefland von West- und Zentralafrika (Kongo) beheimatet, wurde sie erst im 19. Jahrhundert klassifiziert.

  • Anbauhöhe: Robusta wächst im Tiefland bis ca. 800 Meter.
  • Temperatur: Sie liebt es warm und verträgt Temperaturen von 22 bis 26 Grad (und mehr) problemlos.

Resistenz: Ihre wahre Stärke liegt in ihrer Abwehrkraft. Sie ist deutlich widerstandsfähiger gegen Schädlinge wie den Kaffeerost und Insekten. Ein Grund dafür ist ihr hoher Koffeingehalt, der als natürliches Insektengift wirkt.

Das Geschmacksprofil: Körper und Wucht

Robusta-Bohnen sind meist kleiner und rundlicher als die ovalen Arabicas und haben eine gerade Narbe auf der flachen Seite. Chemisch unterscheiden sie sich deutlich: Sie enthalten weniger Zucker und Lipide (Fette), dafür aber deutlich mehr Chlorogensäure und Koffein (ca. 2 bis 4,5 %).

Geschmacklich äussert sich das in einem kräftigen, erdigen, nussigen und oft an dunkle Schokolade erinnernden Profil. Robusta bringt den „Körper“ in den Kaffee. Er ist verantwortlich für das volle Mundgefühl und – ganz wichtig – für die Crema. Aufgrund des geringeren Lipidanteils ist die Crema bei Robusta-Kaffees dichter, stabiler und haselnussbraun.

Unsere Empfehlung: Suchen Sie den klassischen italienischen „Kick“? Unser Kooperative Kagera ist ein 100% Robusta aus Tansania. Er ist würzig, kräftig und liefert genau die Intensität, die einen Ristretto zum Erlebnis macht.

4. Arabica vs. Robusta: Ein detaillierter Vergleich der Giganten

Um die richtige Wahl für Ihren Geschmack zu treffen, hilft ein direkter Vergleich. Es ist wichtig zu verstehen, dass es kein pauschales „Besser“ oder „Schlechter“ gibt, sondern nur unterschiedliche Charakteristika für unterschiedliche Vorlieben.

Merkmal

Arabica (Coffea Arabica)

Robusta (Coffea Canephora)

Herkunft

Ursprung: z.B. Äthiopien (Hochland) Bei Bertschi: Wir beziehen unsere Arabicas vorwiegend aus Zentral- und Südamerika. Beispiele: Mexiko & Peru (für unseren Bio Bravo), Brasilien (für den Demeter Espresso).

Ursprung: Westafrika/Kongo (Tiefland). Bei Bertschi: Wir setzen auf kräftige Robustas aus Afrika und Asien. Beispiele: Tansania (unser 100% Robusta Kooperative Kagera), Indien/Indonesien (oft als würzige Komponente in unseren Blends wie dem Basler Café).

Anbauhöhe

600 – 2.300 Meter

0 – 800 Meter

Chromosomen

44 Chromosomen (komplexer)

22 Chromosomen

Koffeingehalt

ca. 1,1 – 1,7 % (milder)

ca. 2 – 4,5 % (der Wachmacher)

Chlorogensäure

ca. 5 – 6 %

ca. 10 % (kann bei schneller Röstung auf den Magen schlagen)

Zuckergehalt

6 – 9 % (süsser)

3 – 7 %

Geschmack

Fruchtig, fein, säurebetont, komplex, weich

Erdig, nussig, bitter, holzig, schokoladig, kräftig

Optik der Bohne

Oval, geschwungene S-Narbe

Rundlicher, gerade Narbe

Crema

Weniger dicht, eher rötlich-braun

Dick, fest, dunkelbraun, langanhaltend

Marktpreis

Tendenziell teurer (aufwendige Pflege & Ernte)

Oft günstiger (höherer Ertrag, maschinelle Ernte möglich)

Lesetipp: Wollen Sie noch tiefer in die genetischen und geschmacklichen Unterschiede eintauchen? Lesen Sie unseren ausführlichen Blogbeitrag: Was sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Kaffeesorten?

5. Exkurs: Raritäten, Mythen und Spezialitäten

Neben den beiden Platzhirschen gibt es in der Welt des Kaffees faszinierende Nischenprodukte. Einige sind echte Geheimtipps, andere eher fragwürdige Kuriositäten.

Liberica und Excelsa – Die Riesen aus dem Dschungel

Coffea Liberica macht nur etwa 1 % des Welthandels aus. Die Bohnen sind riesig, hart und asymmetrisch. Die Pflanze wächst als hoher Baum (bis 20 Meter) im Dschungel und ist extrem widerstandsfähig. Geschmacklich gilt Liberica oft als herb, holzig und rauchig, mit einem hohen Koffeingehalt. Excelsa wurde lange als eigene Art geführt, gilt heute aber botanisch als Varietät von Liberica. Sie ist bekannt für ein tartes, fruchtiges Profil, das Kenner oft als „unbeschreiblich“ komplex bezeichnen.

Maragogype – Die Elefantenbohne

Diese Varietät ist eine Mutation der Arabica (oder eine Kreuzung mit Liberica), die erstmals in Brasilien entdeckt wurde. Die Bohnen sind gigantisch – bis zu 40 % grösser als normale Arabica-Bohnen. Deshalb werden sie liebevoll „Elefantenbohnen“ genannt. Das Besondere: Trotz der Grösse ist der Geschmack extrem mild und säurearm. Maragogype ist der ideale Kaffee für Menschen mit empfindlichem Magen, die auf feinen Geschmack nicht verzichten wollen.

Produkt-Tipp: Probieren Sie unseren Marago. Ein exklusiver, heller Röstkaffee aus Mexiko oder Nicaragua, der durch seine Milde besticht.

Stenophylla – Die Hoffnung der Zukunft?

Der Klimawandel bedroht den Arabica-Anbau, da es in vielen Regionen zu heiss wird. Forscher haben kürzlich in Westafrika (Sierra Leone) die fast vergessene Art Coffea Stenophylla wiederentdeckt. Das Sensationelle: Sie verträgt deutlich höhere Temperaturen als Arabica, schmeckt aber – im Gegensatz zu Robusta – fast genauso fein und komplex wie ein hochwertiger Arabica. Sie könnte in den nächsten Jahrzehnten zur Rettung des Hochgenusses beitragen.

Kopi Luwak & Co. – Luxus mit bitterem Beigeschmack

Sicher haben Sie schon vom „Katzenkaffee“ gehört. Beim Kopi Luwak fressen Schleichkatzen (Fleckenmusangs) die Kaffeekirschen. Im Magen fermentieren Enzyme die Bohnen und bauen Bitterstoffe ab, bevor sie ausgeschieden werden. 

Unsere klare Haltung: Wir bei Bertschi-Café distanzieren uns von Kopi Luwak aus Käfighaltung. Ursprünglich als Wildsammlung entstanden, werden die Tiere heute oft unter tierquälerischen Bedingungen in Käfigen gehalten und zwangsernährt. Ähnliches gilt für den Black Ivory (Elefantenkaffee). Wir sind überzeugt: Qualität entsteht durch faire Partnerschaften mit Bauern und perfektes Rösthandwerk, nicht durch Tierquälerei.

Mehr zu diesen exotischen Hintergründen erfahren Sie in unserem Beitrag: Affenkaffee – eine besondere Art von Kaffee.

6. Terroir & Anbau: Warum die Herkunft den Charakter bestimmt

Kaffee wächst rund um den Globus im sogenannten „Kaffeegürtel“ entlang des Äquators. Doch Bohne ist nicht gleich Bohne – der Boden, das Klima und die Traditionen vor Ort prägen den Geschmack massgeblich. Man spricht hier, ähnlich wie beim Wein, vom „Terroir“.

Die grossen Anbauregionen

  • Zentral- & Südamerika (z.B. Brasilien, Kolumbien, Peru): Der Klassiker für das Frühstück. Hier wachsen oft nussige, schokoladige und balancierte Kaffees mit einer angenehmen, nicht zu spitzen Säure. Brasilien ist dabei der Gigant, der sowohl riesige Mengen Standardkaffee als auch exzellente Spezialitäten liefert.
  • Afrika (z.B. Äthiopien, Kenia): Die Wiege des Kaffees. Kaffees aus dieser Region sind oft „wilder“: fruchtig, blumig, mit Noten von Beeren, Zitrusfrüchten oder Jasmin und einer spritzigen Säure. Ein Yirgacheffe aus Äthiopien kann fast wie ein Tee schmecken.
  • Asien (z.B. Indien, Indonesien, Vietnam): Hier dominiert oft Robusta, aber auch würzige, schwere Arabicas. Typisch sind erdige, holzige und gewürzartige Noten mit sehr wenig Säure und einem vollen, schweren Körper.

Micro Lots – Die Spitze der Qualität

Innerhalb dieser Regionen gibt es sogenannte Micro Lots. Das sind kleine, exklusive Parzellen einer Farm, auf denen unter besonderen Bedingungen (z.B. spezielles Mikroklima, besondere Aufbereitung) aussergewöhnliche Qualitäten wachsen. Diese Kaffees sind streng limitiert, rückverfolgbar und bieten einzigartige Geschmacksprofile für Kenner.

Interessiert an den Details des Handels und der Ernte? Lesen Sie hier weiter: Rohkaffee: So wird er geerntet, verarbeitet und gehandelt.

7. Ernte & Aufbereitung: Der Weg vom Feld zur Rohbohne

Die Qualität in der Tasse wird bereits am Kaffeestrauch entschieden. Es gibt zwei Hauptmethoden der Ernte:

  1. Picking: Hierbei werden nur die reifen, roten Kirschen von Hand gepflückt. Die grünen bleiben hängen. Das ist mühsam und teuer, garantiert aber die höchste Qualität und einen homogenen Reifegrad.
  2. Stripping/Maschinell: Hier wird der ganze Ast abgeerntet – reife, unreife und überreife Kirschen landen zusammen im Korb. Dies ist bei industriellem Kaffee üblich.

Nach der Ernte muss die Bohne aus der Frucht gelöst werden. Auch hier entscheidet die Methode über den Geschmack:

  • Nass (Washed): Das Fruchtfleisch wird komplett abgewaschen, die Bohnen fermentieren im Wasserbad. Das Ergebnis ist ein sehr klarer, reiner Kaffee mit betonter, feiner Säure.
  • Trocken (Natural): Die ganzen Kirschen trocknen in der Sonne. Währenddessen zieht die Süsse des Fruchtfleisches in die Bohne ein. „Naturals“ sind oft süsser, körperreicher und haben intensive Fruchtnoten (z.B. Erdbeere, Blaubeere).7. Ernte & Aufbereitung: Der Weg vom Feld zur Rohbohne

8. Die Röstung: Das Herzstück der Veredelung

Die beste Bohne nützt nichts, wenn sie im Röster verbrannt wird. Eine rohe Kaffeebohne ist blassgrün, steinhart und riecht nach Heu. Erst durch die Hitze entstehen in der sogenannten Maillard-Reaktion die über 800 Aromen, die wir lieben.

Unser USP: Die traditionelle Trommelröstung

Bei Bertschi-Café setzen wir bewusst auf Tradition. Im Gegensatz zur industriellen Schockröstung, bei der Bohnen in 2 bis 5 Minuten bei bis zu 600 Grad „gebacken“ werden, lassen wir uns Zeit. Wir rösten unsere Bohnen in der Trommelröstung schonend über 14 bis 24 Minuten bei maximal ca. 200 Grad.

Warum tun wir das?

  1. Abbau von Säuren: Chlorogensäure kann bei empfindlichen Menschen Magenprobleme verursachen. Diese Säure wird erst durch Zeit und Hitze abgebaut. Eine Industrieröstung schafft das in der kurzen Zeit oft nicht vollständig – unser Verfahren schon. Das macht unseren Kaffee besonders bekömmlich.
  2. Aromenvielfalt: Die Hitze dringt langsam bis in den Kern der Bohne vor. So verbrennt sie aussen nicht, während sie innen noch roh ist. Das gesamte Aromaspektrum kann sich entfalten – von feinen Fruchtnoten bis zu tiefen Schokoladentönen.

Warum schmeckt Kaffee manchmal sauer oder bitter? Wir erklären es in unserem Ratgeber: Warum Kaffee nicht schmeckt – Ursachen und Lösungen.

9. Mischverhältnisse: Die Kunst der Blends vs. Single Origins

Immer wieder tauchen diese Begriffe auf. Doch was bedeuten sie für Ihren täglichen Genuss?

Single Origin (Sortenrein)

Diese Kaffees stammen aus einem einzigen Anbaugebiet, oft sogar von einer einzigen Farm oder Kooperative. Sie sind „rein“. Das Ziel ist es, den unverfälschten, einzigartigen Charakter dieser spezifischen Region zu schmecken. Ein Äthiopier schmeckt anders als ein Brasilianer.

  • Perfekt für: Puristen, Filterkaffee-Liebhaber und Entdecker, die Nuancen herausschmecken wollen.
  • Beispiel: Unser Demeter Espresso – ein reiner Brasilianer, der das Terroir perfekt abbildet.

Blends (Mischungen)

Ein Blend ist eine Komposition. Wie ein Parfümeur Düfte mischt oder ein Dirigent ein Orchester leitet, komponiert der Röstmeister aus verschiedenen Bohnen (Herkunft oder Art) ein harmonisches Ganzes. Oft wird Arabica (für das feine Aroma und die Säure) mit Robusta (für den Körper, die Würze und die Crema) gemischt. Ein Blend garantiert zudem, dass der Kaffee über das Jahr hinweg konstant schmeckt, da Schwankungen einer Ernte ausgeglichen werden können.

  • Perfekt für: Liebhaber von klassischem, rundem Espresso oder Café Crème, die Balance suchen.
  • Beispiel: Der Basler Café (80% Arabica / 20% Robusta) – unsere harmonische Mischung mit Charakter, die das Beste aus beiden Welten vereint.

10. Gesundheit & Inhaltsstoffe: Was steckt wirklich in der Bohne?

Kaffee ist nicht nur Genuss, sondern chemisch gesehen ein faszinierender Cocktail. Neben dem bekannten Koffein enthält die Bohne über 1000 verschiedene Substanzen.

  • Antioxidantien: Kaffee ist einer der wichtigsten Lieferanten für Antioxidantien in unserer westlichen Ernährung. Diese Stoffe (wie Chlorogensäure und Melanoidine) fangen freie Radikale im Körper ab.
  • Niacin (Vitamin B3): Durch den Röstprozess entsteht aus Trigonellin das Vitamin Niacin. Eine Tasse Kaffee kann bereits einen Teil des Tagesbedarfs decken.
  • Koffein: Der Wachmacher blockiert Adenosin-Rezeptoren im Gehirn und verhindert so, dass wir müde werden. Robusta enthält etwa doppelt so viel davon wie Arabica – wer also den „Hallo-Wach-Effekt“ sucht, greift zum Robusta.

Studien deuten darauf hin, dass moderater Kaffeekonsum (3-4 Tassen) positive Effekte auf die Gesundheit haben kann, etwa in Bezug auf Diabetes Typ 2 oder den Schutz der Leber. Wichtig ist jedoch immer die Bekömmlichkeit – und hier spielt unsere schonende Röstung durch den Säureabbau eine entscheidende Rolle.

11. Nachhaltigkeit: Warum Bio und Fairtrade für uns kein Trend sind

Nachhaltigkeit ist für Bertschi-Café keine Marketingfloskel, sondern eine Haltung, die wir seit Jahrzehnten leben. Wir pflegen oft jahrzehntelange, persönliche Beziehungen zu unseren Kaffeebauern und Kooperativen. Wir sind überzeugt: Nur wenn es den Menschen im Ursprung und der Natur gut geht, können wir exzellenten Kaffee geniessen.

  • Bio-Knospe: Wir bieten eine grosse Auswahl an Bio-Kaffees, die ohne chemisch-synthetische Pestizide und Kunstdünger angebaut werden. Das schützt die Böden und das Grundwasser im Ursprungsland.
  • Fairtrade Max Havelaar: Dieses Siegel garantiert den Bauern Mindestpreise, die sie vor den Schwankungen des Weltmarktes schützen, sowie Prämien für Gemeinschaftsprojekte (Schulen, Brunnen).
  • Demeter: Die wohl strengste Form der biologischen Landwirtschaft. Sie betrachtet den Hof als lebendigen Kreislauf und arbeitet nach anthroposophischen Prinzipien.

Entdecken Sie unseren Euro Bio Bravo Espresso – ein Paradebeispiel für nachhaltigen Luxus, der intensiv und fruchtig schmeckt.

Mehr zu unserem Engagement finden Sie hier: Kaffee & Nachhaltigkeit – wie passt das zusammen?.

12. Lagerung und Frische: So bleibt das Aroma erhalten

Sie haben die perfekte Bohne gefunden, sie wurde fair gehandelt und schonend geröstet. Nun liegt es an Ihnen, diese Qualität bis in die Tasse zu retten. Die grössten Feinde des Kaffeearomas sind Sauerstoff, Feuchtigkeit, Wärme und Licht.

  • Ganze Bohnen kaufen: Das ist der wichtigste Tipp. Sobald Kaffee gemahlen ist, vergrössert sich seine Oberfläche extrem. Er oxidiert und verliert innerhalb von Minuten einen Grossteil seines Aromas. Mahlen Sie immer erst kurz vor der Zubereitung!
  • Luftdicht verpacken: Lassen Sie den Kaffee am besten in der Originalverpackung. Unsere Beutel sind mit einem Aromaschutzventil ausgestattet, das CO2 entweichen lässt, aber keinen Sauerstoff hineinlässt. Verschliessen Sie die Tüte gut mit einem Clip oder stellen Sie sie in eine lichtundurchlässige Dose.
  • Der Kühlschrank-Mythos: Bitte stellen Sie Kaffee nicht in den Kühlschrank! Kaffee enthält Öle, die fremde Gerüche (Wurst, Käse) magisch anziehen. Zudem bildet sich beim Herausnehmen Kondenswasser, was die Bohnen feucht macht und das Aroma zerstört. Ein dunkler, kühler Küchenschrank ist der ideale Ort.

Detaillierte Tipps gibt es in unserem Blog: Wie hält man Kaffee frisch?.

13. Unser Fazit: Welcher Kaffee ist der Richtige für Sie?

Die „beste“ Kaffeebohne der Welt gibt es nicht – es gibt nur die richtige Bohne für Ihren ganz persönlichen Geschmack und Ihren Zubereitungsmoment.

  • Mögen Sie es mild, aromatisch, blumig und trinken gerne grössere Tassen (Café Crème / Filter)? Dann greifen Sie zu einem 100% Arabica, am besten hell bis mittel geröstet.

    ◦ Tipp: Bio Bravo Kaffee mittel

  • Lieben Sie den italienischen Kick, trinken Espresso oder Ristretto, wollen eine fette Crema und schokoladige Noten? Dann ist ein Blend mit Robusta-Anteil oder eine dunkle Espresso-Röstung Ihre Wahl.

    ◦ Tipp: Espresso – unsere klassische Hausmischung.

  • Suchen Sie etwas Spezielles oder besonders Magenfreundliches? Wagen Sie sich an eine Rarität.

    ◦ Tipp: Die Maragogype-Bohne für sanften Genuss.

Wir bei Bertschi-Café stehen Ihnen gerne beratend zur Seite. Probieren Sie sich durch unser Sortiment, experimentieren Sie mit Mahlgraden und Zubereitungsarten. Denn am Ende zählt nur eines: Dass Sie jeden Schluck geniessen und er Ihnen eine kleine Auszeit im Alltag schenkt.

Entdecken Sie jetzt unsere Vielfalt im Bertschi Online-Shop!

 

Quellenverzeichnis für Ihre weitere Recherche:

Möchten Sie noch mehr stöbern? Hier finden Sie weitere spannende Artikel aus unserem Archiv:

Autoren-Avatar
Cédric Reber Geschäftsführer
Cédric Bertschi ist Geschäftsführer von Bertschi Kaffee und ein anerkannter Kaffee-Experte. Auf seinem Blog teilt er sein tiefes Wissen über Kaffee durch fundierte Bewertungen und innovative Braumethoden. Er engagiert sich für Qualität und Nachhaltigkeit in der Kaffeebranche, um Kaffeeliebhabern erstklassige Produkte und wertvolles Wissen zu bieten.

Entdecken Sie unseren Kaffee

Bestellen Sie sich echten Kaffeegenuss direkt nach Hause und entdecken Sie unsere belibtesten Kaffeesorten. Von bio über fairtrade, lokal oder nachhaltig angebaut bis direkt gehandelt und frisch geröstet.

  • Neu
    Bio-Kaffee
    Fairtrade-Kaffee
    Entdecker-Set: Espresso & Kaffee Genuss-Paket (6 x 250g)

    Entdecker-Set: Espresso & Kaffee Genuss-Paket (6 x 250g)

    Ab CHF 37.30 (CHF 24.87/kg)
    Ab CHF 37.30 Dieses Produkt weist mehrere Varianten auf. Die Optionen können auf der Produktseite gewählt werden
  • Upcycling Tasche aus Kaffeeverpackung

    Upcycling Tasche aus Kaffeeverpackung

    CHF 20.00
    CHF 20.00
  • Saison-Kaffee Sommer80% Arabica / 20% Robusta

    Saison-Kaffee Sommer

    Nussig, Schokoladig Ab CHF 9.75 (CHF 19.50/kg)
    Ab CHF 9.75 Dieses Produkt weist mehrere Varianten auf. Die Optionen können auf der Produktseite gewählt werden
  • Good Vibes Kaffee100% Arabica

    Good Vibes Kaffee

    Nussig, Süsslich Ab CHF 12.75 (CHF 25.50/kg)
    Ab CHF 12.75 Dieses Produkt weist mehrere Varianten auf. Die Optionen können auf der Produktseite gewählt werden

Bio. Fair. Lokal.

J.Reber Unterschrift
J. Reber
Bio. Fair. Lokal.
Das Bertschi-Ver­sprechen

Die Kaffeerösterei ist ein anspruchsvolles Handwerk – und das leben wir mit Herz­blut seit über 80 Jahren für einen unver­gleichlichen, echten Kaffeegenuss. Als Bio-Pionier in der Schweiz stehen wir für einen respektvollen, fairen Umgang mit unseren Partnern und der Umwelt – für Kaffee in höchster Bio-Qualität

J.Reber Unterschrift